Das verpflichtende Sprachscreening MIKA-D dient seit dem Schuljahr 2018/2019 in Österreich als Grundlage für die Zuweisung zu Deutschfördermaßnahmen bzw. zur Teilnahme an Regelklassen. Aufgrund seiner unmittelbaren Auswirkungen auf die Bildungsbiografien betroffener Schüler:innen handelt es sich um ein high-stakes-Verfahren. Ein zentrales Element des Tests ist die Erhebung der Verbstellungsregeln auf Basis implikationeller Erwerbsreihenfolgen. Diese Fokussierung wirft jedoch grundlegende testtheoretische Fragen auf: Die Auswahl erfasst nur einen begrenzten Teilbereich sprachlicher Kompetenzen und vernachlässigt zugleich die Komplexität schulischer Sprachanforderungen, die im Kontext von Dialekt- Standard-Variation sowie der unzureichenden Beschreibung bildungssprachlicher Anforderungen besonders deutlich werden. Der Beitrag diskutiert die Problematik und mögliche Fallstricke einer Anwendung syntaktischer Erwerbsmodelle im Kontext der Sprachdiagnostik und benennt zentrale Desiderata für eine differenzierte Erfassung sprachlicher Fähigkeiten im schulischen Kontext.
Schlüsselwörter: Sprachdiagnostik; DaZ; Spracherwerbsstufen; high-stakes-Verfahren; Lernendensprache
Since the 2018/2019 school year, the mandatory language screening test MIKA-D has been used in Austria to allocate pupils to German language support programmes or mainstream classes. Given its direct impact on pupils’ educational trajectories, it is a high-stakes procedure. A central element of the test is the assessment of verb-position rules based on implicit developmental sequences. However, this focus raises fundamental questions about test theory. Such a test captures only a limited subset of linguistic competencies and, at the same time, neglects the complexity of school language requirements, particularly evident in the context of dialect-standard variation and the inadequate description of educational language requirements. This article discusses the problems and possible pitfalls of applying syntactic developmental sequence models in language assessment, identifying key requirements for a differentiated assessment of language skills in a school setting.
Keywords: Language diagnostics; GSL; developmental stages; high-stakes procedures, learner language
| DOI: | https://doi.org/10.37307/j.2198-2430.2026.02.05 |
| Lizenz: | ESV-Lizenz |
| ISSN: | 2198-2430 |
| Ausgabe / Jahr: | 2 / 2026 |
| Veröffentlicht: | 2026-06-11 |
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