Unter den Literaturwissenschaftlern der DDR wird der Begriff Menschenbild zur Zeit lebhaft diskutiert. Der Grund dafür ist darin zu suchen, daß von der Literatur Antworten auf Fragen erwartet werden, die das heutige Leben selbst aufwirft. Kann der Begriff der Persönlichkeit heute noch so verstanden werden wie zur Zeit Goethes und Herders? Verliert er angesichts der Zusammenballung riesiger Menschenmassen in Großstädten, angesichts der wissenschaftlichen-technischen Revolution, der gewaltigen Produktiv-, aber auch Zerstörungskräfte an Bedeutung, oder gewinnt er eine neue? Welche Rolle spielt dabei die Beschaffenheit dieser oder jener Gesellschaftsordnung? – Das Menschenbild der Literatur, d. h. das eines Werkes, eines Autors, einer Literaturbewegung sagt über diese Fragen etwas aus. Und wenn diese Aussagen auf der Grundlage von Lebenssituationen getroffen werden, die den unseren noch ähneln oder noch auf uns einwirken, namentlich also, wenn sie unserem eigenen Jahrhundert entstammen, so sind sie nicht nur für den Literaturforscher von Interesse.
| DOI: | https://doi.org/10.37307/j.2198-2430.1970.01.17 |
| Lizenz: | ESV-Lizenz |
| ISSN: | 2198-2430 |
| Ausgabe / Jahr: | 1 / 1970 |
| Veröffentlicht: | 1970-01-01 |
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